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Transformative Räume Paris

Ansprechpersonen

Angelika Psenner (Projektleitung)

Max Utech (Projektleitung)


Finanzierung

Institut Francais Autriche und Österreichisches Kulturforum Paris


Projektlaufzeit

01.10.2020 – 31.07.2021


Publikation

Die Publikation können Sie hier ansehen.


Inhalte & Schwerpunkte


© Pierre Folk

Das Forschungsprojekt „Transformative Räume Paris“ beschäftigt sich mit der grundsätzlichen Thematik urbaner Transformationsprozesse und untersucht/diskutiert diese anhand der Vorzeigemetropole Paris. Das Projekt umfasst sowohl Wissensproduktion (research by design und forschungsgeleitete Lehre) als auch fachliche Vernetzungsstrategien (TU Wien, Institut Francais, Österreichische Kulturforum Paris, ENSA La Villette, ENSA Belleville, ENSA Versaille) und Wissensvermittlung (Publikation PARIS TRANSFORMATIF und Fachsymposium am Institut Francais im Mai 2021). Damit umspannt das Forschungsdesign gleichermaßen fachliche Dissemination wie auch dissemination to public.

Die Metropolregion Paris (Île-de-France) ist mit über 12,8 Mio. Einwohner*innen nicht nur die größte der EU, sondern sie ist zugleich eine der aktuell spannendsten Städte Europas. Mit einer Bevölkerungsdichte von nahezu 21.000 EW/km2 weist sie eine für europäische Verhältnisse außerordentlich kompakte Struktur auf, dennoch – oder vielleicht gerade deshalb – gilt die französische Hauptstadt in Sachen ökologische Stadterneuerung heute als Vorzeigemodell.

Das Stadtbild ist geprägt von der Architektur des 19. Jahrhunderts, der architectur d’entrepreneur – dem Pendent zur Wiener Gründerzeitarchitektur – und den breiten Boulevards des Stadtplaners Haussmann. Aber genauso hat das späte 20. Jahrhundert seine architektonischen Spuren hinterlassen, denn im Gegensatz zu Wien, welches jahrzehntelang als politischer und städtebaulicher Randschauplatz der EU stagnierte und in diesem Zeitraum alle Anzeichen einer shrinking city entwickelte, wuchs und entfaltete sich Paris durchgängig weiter.

Ein starker politischer Wille zur strukturellen Reform des Ballungsraums (Grand Paris) prägte Zentrum und Banlieue und kristallisierte sich in den 1980ern und 90ern unter François Mitterrand zu den architektonischen und städtebaulichen Interventionen der Grand Projets[1]. Obwohl dieser Begriff im Zusammenhang mit Paris nicht verwendet wird, kann man hier genauso gut von einem melting pot sprechen, denn seit jeher prägt ein starker Zuzug die Bevölkerungszusammensetzung der ehemaligen Kolonialmacht nachhaltig.

Die jüngere Zeit bringt nun wieder neue Transformationsprozesse mit sich, die vor allem damit zu tun haben, dass Präsident Macron 2018 die Finanzierung und Durchsetzung der Energiewende in Frankreich beschlossen hat. Die infolge geplante höhere Besteuerung fossiler Kraftstoffe und Rentenreformen führten – neben weiteren Maßnahmen, welche die Bevölkerung Frankreichs nicht zu tragen bereit sind – zu großräumigen Streikmärschen (Mouvement des Gilets jaunes), welche die Stadt lahm zu legen drohten und mit Jahresbeginn 2020 erschreckend nahtlos in die Covid-Starre übergehen sollten.

Vor diesem Hintergrund sind die Aktionen der Bürgermeisterin Anne Hidalgo zu sehen. Bereits ab 2008 war sie als stellvertretende Bürgermeisterin zuständig für Stadtentwicklung und Architektur und leitete mit ihrem Team einen Paradigmenwechsel in Sachen urbane Landwirtschaft, Wiedereroberung des öffentlichen Raums und Mobilität ein – er firmiert unter dem Motto „Reinventer Paris“, „Reinventing Paris“. Mittlerweile zieht nun auch die Wirtschaft nach und fordert mehr Fahrradwege, breitere Gehsteige, mehr Straßengrün und eine Forcierung lokaler Ökonomien.


[1] Offiziell: “Grandes Operations d’Architecture et d’Urbanisme”, bekannt auch als: Grands Travaux oder Grands Projets Culturels.


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